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Im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft wurde der Startschuss für einen intensiven Austausch und eine verstärkte Zusammenarbeit aller Akteure im August 2017 mit einem vom damaligen Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann initiierten und vom BLW organisierten Workshop zur Digitalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft gegeben. Der Anlass mit rund 250 Teilnehmenden hatte verschiedene Ziele: einen Überblick über die Digitalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft zu geben; allgemeine Trends, Hindernisse, Befürchtungen und offene Fragen zu identifizieren; und den Akteuren und Entscheidungsträgern einen direkten Kontakt und Austausch zum Thema zu ermöglichen.

Dieser Workshop war der Anfang eines breit angelegten Prozesses unter Federführung des BLW, in dessen Verlauf in einer Charta allgemeine Grundsätze zum Umgang mit Agrardaten definiert wurden. Die Charta zur Digitalisierung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft vom Januar 2018 ist mit der Strategie «Digitale Schweiz» abgestimmt und stellt eine Umsetzung dieser Strategie für die Land- und Ernährungswirtschaft dar. Die Charta beinhaltet zwölf Leitlinien zum Umgang mit digitalen Daten und Anwendungen:

  • Nutzen im Vordergrund

  • Transparenz

  • Zugang zu Daten

  • Befähigung

  • Fairer Wettbewerb

  • Wert der Daten

  • Datenhoheit

  • Infrastruktur zur Datenübertragung

  • Mehrwerte durch Vernetzung der Daten

  • Sorgfaltspflicht

  • Forschung, Wissenstransfer und Innovation

  • Technologische Entwicklung

Die Unterzeichnenden der Charta verpflichten sich somit, einen aktiven Beitrag in der Digitalisierung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft zu leisten. Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann unterschrieb die Charta an einem vom BLW organisierten «Tag der digitalen Vernetzung» im Juni 2018. Alle interessierten Unternehmen und Organisationen wurden eingeladen, die Charta ebenfalls zu unterzeichnen, mit mittlerweile mehr als 100 unterzeichnenden Institutionen. An der Veranstaltung wurde auch ein Überblick zu den aktuellen Digitalisierungsbestrebungen im Bereich Land- und Ernährungswirtschaft gegeben.

In Anlehnung an die Strategie «Digitale Schweiz» wurde zusammen mit der Charta ein Dialog zur Vernetzung aller Anspruchsgruppen lanciert. Mit diesem Dialog soll ein gemeinsames Bewusstsein geschaffen, die Zusammenarbeit gefördert, Handlungsbedarf aufgezeigt und letztlich die Strategie umgesetzt werden. Zu diesem Zweck baute die landwirtschaftliche Beratungszentrale AGRIDEA mit Beteiligung des BLW eine Plattform auf, die dazu dient, die in der Charta beschriebenen Leitlinien umzusetzen. Die erste Jahrestagung der Chartagemeinschaft wurde im Beisein von Bundesrat Guy Parmelin im Oktober 2019 zum Thema «Mehrwert aus vernetzten Daten» veranstaltet.

Im November 2018 fand erstmalig eine schweizweite Digitalisierungswerkstatt für Lernende an den Betriebsleiterschulen und Studierende an Fachhochschulen und der ETH Zürich statt. Das Ziel dieser vom BLW organisierten Veranstaltung war es, Lernende und Studierende zusammenzubringen, um innovative Ideen und Lösungsansätze bezüglich der Digitalisierung in der Land- und Ernährungswirtschaft zu entwickeln. Dabei wurden digitale Projektideen in den Bereichen Insektenmanagement, Stickstoffmanagement, Direktvermarktung, Stallmanagement, Weidemanagement und Produkterückverfolgbarkeitskizziert. Aufgrund der positiven Rückmeldungen wurde die Digitalisierungswerkstatt im November 2019 erneut durchgeführt.

Das BLW veranstaltete im Januar 2019 ein Fachpodium «Digitale Landwirtschaft: Herausforderungen und Chancen für Landwirte hin zu nachhaltigeren Ernährungssystemen» am Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Das Fachpodium hat gezeigt: Intelligente Lösungen für die Landwirtschaft der Zukunft zu finden heisst, Nutzen und Auswirkungen der Digitalisierung für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft umfassend zu berücksichtigen.

Eine vom BLW organisierte Veranstaltung im März 2019 widmete sich konkreten Anwendungen der Blockchain-Technologie in der Land- und Ernährungswirtschaft. Der Anlass diente dazu, das aktuell bekannte Anwendungspotenzial dieser Technologie zu diskutieren und Chancen im Arbeitsbereich der Anwesenden zu erkennen. In einem anschliessenden Workshop wurden Themenfelder zur weiteren Anwendung von Blockchain-Technologie identifiziert. Diese Themenfelder flossen mit in den Swiss Blockchain Hackathon im Juni 2019 ein, an dem sich das BLW zusammen mit Agroscope als Hauptpartner beteiligte. Das Gewinnerteam entwickelte einen Prototyp in Form einer App, womit Pachtlandverträge für Pächter und Verpächter transparent, verlässlich und effizient mittels einer Blockchainlösung abgewickelt werden können.

Im Rahmen eines Berichts des BLW zur Rolle des Bundes in der Digitalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft wurden die Rahmenbedingungen, die agrarpolitischen Instrumente zur Förderung der Digitalisierung, der Stand und das Potenzial einer (weiteren) Digitalisierung des Vollzugs bestehender agrarpolitischer Aufgaben sowie das Potenzial der digitalen Transformation für die Neuentwicklung agrarpolitischer Instrumente erfasst. Dieser Bericht, der im Dezember 2019 erschienen ist, dient dem BLW als Grundlage, um die Chancen der Digitalisierung noch konsequenter zu nutzen und die bestehenden Herausforderungen gezielt anzugehen.

Markus Gusset, BLW, Fachbereich Forschung, Innovation und Evaluation, markus.gusset@blw.admin.ch

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